Mendels Gesetz

Mendels erstes Gesetz (Uniformitätsregel)

Homozygotie, Heterozygotie und Genserien / Allel-Serien (d. h. Reinerbigkeit, Gemischterbigkeit und verschiedene Genversionen; Beispiel Farbvererbung)

Jedes Gen hat also einen Partner "gegenüber" auf dem Partnerchromosom. Diese beiden Partner nennt man "Allele", sie gehören zusammen. Die zwei allelen Gene bestimmen zusammen, wie die Eigenschaft, die sie in sich tragen, sich ausprägt. Sie können gleiche Information tragen oder verschieden sein: Zwei gleiche Gene bedeuten Reinerbigkeit (Homozygotie) für dieses Merkmal, zwei unterschiedliche Gene bedeuten, dass der Hund gemischterbig ist (heterozygot).
Die zwei Gene sind bei manchen Merkmalen nur eine Auswahl aus mehreren unterschiedlichen Allelen, sogenannten Multi-Allelen oder Allel-Serien eines Merkmals, von denen eben nur maximal zwei bei einem Hund vorhanden sein können (Wir erinnern uns: Es gibt immer je zwei Partnerchromosomen, die zusammengehören, auf jedem Chromosom liegt das eine Gen, gegenüber das andere; die 39 Chromosomenpaare in jeder Zelle sind natürlich alle für unterschiedliche Erbinformationen zuständig!)
Ein gutes Beispiel ist die Fellfarbe (nach Burns, Fraser, 1966 und Willis, 1976):
Die genetische Grundfarbe eines Hundes wird unter anderem von einem Gen aus der sogenannten Aguti-Serie bestimmt. Sie besteht aus vier bis fünf unterschiedlichen Genen, von denen nur je höchstens zwei bei einem Hund Platz finden. Diese sind, in absteigender Dominanz: 1. schwarz, 2. wolfsgrau bzw. wildfarben (nicht die spätere Ergrauung eines schwarzen Welpen, sondern das silberzobel, das wir vom Tibet Terrier kennen), 3. goldzobel, 4. Sattelmuster (der typische Schäferhund), und 5. black and tan.
Willis geht davon aus, dass 2. wildfarben (silberzobel) und 3. goldzobel genetisch dieselbe Farbe ist, mit von anderen, unabhängig vererbten Genen beeinflusster unterschiedlicher Ausprägung. Dafür würde sprechen, dass man beim Tibet Terrier nicht sauber trennen kann zwischen grau- und silber- bzw. goldzobel, und außerdem, dass beide zobel vererben? Denn: Ein Hund kann nur höchstens zwei verschiedene Grundfarben vererben. Wenn also "wildfarben" ein eigenes Farbgen wäre, müsste ein grauzobel Tibet Terrier auch genau grauzobel vererben, evtl. zusammen mit einer weiteren Farbe, die sich seiner Farbe gegenüber rezessiv verhält: goldzobel, sattelfarben oder black und tan. Bei Tibet Terriern wird sattelfarben (meines Wissens) auch als black und tan registriert, nur eben als ausgedehnte Variation.
Ein weiteres für Züchter wichtiges Beispiel in der Farbvererbung, die Weißscheckung und der damit ursächlich verbundenen Möglichkeit der angeborenen Taubheit, ist unter Punkt 9 zu finden.


Zwergpinscherwelpe schwarz-rot 


Mendels zweites Gesetz (Spaltungsregel)

Das zweite Mendelsche Gesetz, die Spaltungsregel, dreht sich um Hunde, die in einem bestimmten Merkmal, z. B. dem Vorhandensein von schwarzem Farbpigment, gemischterbig sind, also die Kinder aus einer Kreuzung entsprechend Regel 1. Wenn man zwei gemischterbige Hunde paart, also Bb und Bb, werden ihre Kinder unterschiedliche Gene erhalten, da sich die Chromosomen bei der Paarung aufteilen und nur je eines der beiden zusammengehörigen Gene des Merkmals an jeden Welpen weitergegeben wird. Mendel hat in groß angelegten Versuchen bewiesen, dass sich die Genpaare bei den Kindern gemischterbiger Eltern für ein beliebiges Beispielmerkmal voraussichtlich so zusammensetzen werden: 1/4 der Kinder wird BB, 1/4 wird bb, und die Hälfte wird wieder Bb wie die Eltern. Er nennt das: Die Gene spalten sich auf. Ergebnis: Die Kinder sehen ganz unterschiedlich aus!
Obwohl die Eltern z. B. beide schwarz sind (siehe Regel 1, wonach alle gemischterbigen Bb-Hunde - in Bezug auf dieses Merkmal - gleich aussehen, entsprechend dem, das dominant ist), werden etwa 3/4 der Welpen schwarz, 1/4 aber wird braun aussehen. Achtung: Bei den schwarzen gibt es zwei unterschiedliche Veranlagungen, reinerbig und gemischterbig, die man "von außen" nicht erkennen kann!


Yorkshire Welpen 


Mendels drittes Gesetz (Unabhängigkeitsgesetz)

Das dritte Mendelsche Gesetz, das Unabhängigkeitsgesetz, besagt nur noch, dass einzelne Merkmale unabhängig von einander nach dem ersten oder zweiten Mendelschen Gesetz vererbt werden - je nachdem ob sie reinerbig oder gemischterbig vorliegen. Wenn ein Hund also kein schwarzes Farbpigment bilden kann (genetisch reinerbig bb), kann er von seiner genetischen Grundfarbe her trotzdem zum Beispiel zobelfarben sein! Man erkennt dann die schokoladene "Fehlfarbe" nur an der leberfarbenen, nicht schwarzen Nase und an den bei Welpen braunen statt schwarzen Haarspitzen im zobelfarbenen Haar. Wenn später die Haarspitzen wie bei den goldzobelfarbenen Hunden üblich verblassen, ist es noch schwieriger festzustellen.
Ein Hund mit der Grundfarbe "schwarz" wäre phänotypisch ein leberbrauner Hund, aber ist die Grundfarbe zobel, ist es etwas schwerer zu erkennen, ob er nicht doch z. B. ein goldfarbener Hund mit einer sehr wohl schwarzen, vielleicht etwas verwaschen pigmentierten Nase ist!
Diese mendelsche Uniformitätsregel wird etwas eingeschränkt durch die sogenannte Kopplung, die bei Eigenschaften auftreten kann, deren Gene auf den Chromosomen dicht nebeneinander liegen. Sie werden rein aus praktischen Gründen etwas häufiger zusammen vererbt als solche, die weit entfernt voneinander auf demselben Strang liegen. Chromosomenstränge verschmelzen miteinander bei der Bildung der Geschlechtszellen und trennen sich wieder, nachdem einige Abschnitte sozusagen die Seiten gewechselt haben: Die Wahrscheinlichkeit ist höher, dass diejenigen Gene zusammen bleiben, die auf einem Strang dicht beieinander liegen.


Kaukase 


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